Paritätischer Braunschweig - Ein Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege
03.05.18

Stellungnahme des Paritätischen Sprachkompetenzzentrums Gifhorn zum aktuellen Entwurf des KitaG, Paragraph 18a Besondere Finanzhilfe für Sprachbildung und Sprachförderung.


Die Stellungnahme zum Kitagesetz-Entwurf wurde jetzt vom Paritätischen Sprachkompetenzzentrum Gifhorn an das Niedersächsische Kulturministerium sowie an Gifhorner Abgeordnete verschickt.

Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Nach Erhalt des aktuellen Entwurfs des KitaG möchten wir als Sprachkompetenzzentrum, aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Umsetzung der Sprachförderrichtlinie im Landkreis Gifhorn, eine Stellungnahme abgeben.

Seit 2011 setzen wir in Kooperation mit dem Landkreis Gifhorn die Sprachförderrichtlinie für ca. 228 Kitagruppen und 89 Krippengruppen um.

Unser Angebot beinhaltet dabei:

  • fachliche Beratung für Fachkräfte vor Ort
  • umfassendes Fortbildungsprogramm (incl. Inhouse-Schulungen, Fachtage und Marte-Meo)
  • Begleitung von Dienstbesprechungen (Beobachtung und Dokumentation, Konzeptionserarbeitung, Fallbesprechungen)
  • Sprachberatungen für Eltern (seit 2012: 847 Beratungen; deutlicher Anstieg von Kindern U3)
  • Themenelternabende
  • Kooperation und Vernetzung in Arbeitskreisen und Netzwerken.

Durch regionale Unterschiede sind nach den Bedarfen und Möglichkeiten vor Ort individuelle Konzepte entwickelt worden.

Mit der geplanten, starren Mittelaufteilung (mind. 85% Personal, max. 15% Begleitstrukturen) sind solche individuellen Lösungen kaum noch möglich. Zudem liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf der Sprachförderung von Kindern im Vorschulalter, die Mittel für die Sprachbildung und –förderung für alle Kinder sind um die Hälfte reduziert. Wissenschaftlich nachgewiesenen ist allerdings, dass gerade Kinder aus dem Krippenbereich sehr stark von Sprachbildung profitieren und später zu einem geringeren Prozentsatz Sprachförderung benötigen.

Wir befürchten trotz guter Chancen durch Änderungen des KitaG eine qualitative Rückentwicklung der Sprachbildung und Sprachförderung. Durchaus positiv schätzen wir an den Veränderungen, dass die vorschulische Sprachförderung wieder in den Kitas verankert wird. Auch die Aufstockung der finanziellen Mittel für personelle Ausweitungen sowie die Integration der Sprachförderung in den Alltag sind als sinnvoll zu erachten. Besonders die Festschreibung der Sprachbildung und Sprachförderung im Gesetz ist ein wesentliches Signal für die Wichtigkeit des Themas.

Für die Umsetzung im pädagogischen Alltag befürchten wir einen deutlichen Qualitätsverlust im Ver-gleich zu den jetzigen flexiblen Umsetzungsmöglichkeiten. Besonders der Faktor des Fachkräfteman-gels wird sich, aus unserer Erfahrung heraus, stark auf die Umsetzung auswirken. In den letzten Jahren haben wir vor Ort die Erfahrung gemacht, dass Gelder, die als Personalkosten direkt in die Kitas gehen sollten, nicht ausgeschöpft wurden: lediglich 50 Prozent wurden abgerufen, aus Mangel an Fachkräften, für die eine Stundenaufstockung möglich war! Dies führt dazu, dass Gelder nicht ausreichend genutzt werden und die Kinder nicht im geplanten Umfang gefördert werden.

Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die bei der Umsetzung der aktuellen Fassung negative Konsequenzen erwarten lassen:

  • Sprachbildung für alle Kinder wird deutlich zurückgesetzt, da sich der Schwerpunkt auf Kinder mit Sprachförderbedarf verschiebt
  • Starke Einschränkung der Fortführung bisheriger erfolgreicher Konzepte, die nach langjähriger Verankerung eine gute Akzeptanz und Nutzung durch die Kindertagesstätten gefunden haben
  • Individuelle Fachberatung und Coaching vor Ort, Qualifizierungsangebote und Elternberatung müssten deutlich reduziert werden
  • mehr Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte, weniger Begleitangebote und fehlende Personalressourcen

Durch den Wegfall all dieser Faktoren befürchten wir eine Rückentwicklung der Qualität von Sprachbildung und -förderung und die Gefährdung des bisherigen Erfolgs.

Wir wünschen uns eine flexiblere Einsetzung der gestellten Mittel, damit wir ein Konzept nach den individuellen, regionalen Bedarfen entwickeln und umsetzen können, sowie gewachsene Strukturen weiter nutzen und ausbauen können.

Eine kleine Änderung im Entwurf des KitaG würde all dies ermöglichen: Die Formulierungen bis zu 85 Prozent für Personal in Kitas und mindestens 15 Prozent für Fachberatung und Qualifizierung gewährleisten den flexiblen und effektiven Einsatz der Mittel.

 


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