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Beeindruckende Lesung der Autorin Tanja Salkowski aus ihrem Buch „Sonnengrau“ im Rahmen der Aktionswochen des Netzwerks Depression

Rund dreißig Gäste kamen zu der Lesung mit Tanja Salkowski, die im Rahmen der Aktionswochen des Netzwerkes Depression vom Arbeitskreis für Menschen mit psychischer Erkrankung organisierten und von der Kontaktstelle für Selbsthilfe initiierten Autorenlesung mit Tanja Salkowski.

Die Journalistin Salkowski berichtet in ihrem Buch „Sonnengrau – ich habe Depressionen, na und?“ schonungslos, offen, direkt und ehrlich über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Depressionen, der Krankheit mit dem dicken „D“, wie sie es nennt. „Ich habe das Buch aus tiefster Emotion geschrieben. Wenn es mir schlecht ging, konnte ich am besten schreiben“, erzählt die Autorin und schon gleich bei den ersten Sätzen wird klar: das ist ein sehr direktes und höchst persönliches Buch.

Mobbing am Arbeitsplatz war der Auslöser für die Erkrankung. Sie, die immer everybody's Darling war, die immer und überall dabei war, allseits beliebt, rastlos, immer dabei. Genau sie, die erfolgreiche Karrierefrau funktionierte nicht mehr. Ein Gefühl, eine Situation, die Tanja Salkowski selbst nicht wahr haben wollte. Selbst zu den „Bekloppten“ zu gehören, wie sie es nennt, wollte sie nicht akzeptieren. Und doch fand sie den Weg zu einer Psychotherapeutin. Eine Therapie gab es allerdings zunächst nicht. „Ich schaffe das so“, war ihre feste Überzeugung. Die Flucht als Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff half nicht, verschlimmerte eher ihren Zustand. Bei der Arbeit hat sie funktioniert, „toll geschauspielert“, danach fiel sie in ein großes Loch. Schlaflosigkeit gehörte lange Jahre zu den zehn größten Grausamkeiten ihrer Erkrankung. Mit Alkohol versuchte sie das Ungeheuer Depression, das immer weiter wuchs und wuchs, zu ertränken und bekämpfen. Erfolglos.

Eindrucksvoll und beklemmend erzählt sie aus ihrer Sicht als Betroffene, von ihrem Outing: „Ja ich habe Depressionen“, vom Rückzug von Freunden und kurzzeitig auch von ihrer Familie, die erst lernen musste, damit umzugehen. Von ihrer Zeit des siebenwöchigen Klinikaufenthaltes. Und der nicht erfolgten, aber so wichtigen Nachbetreuung. „Es gab keinen Therapieplatz. Die Wartezeit betrug vier Monate“, schildert sie die Situation. Fatal, wie sich für sie herausstellte: Noch nicht stabil für die Bewältigung des Alltags, erlitt sie um Weihnachten herum einen extremen Rückfall. Suizidgedanken nahmen, wie schon in der Vergangenheit, überhand. Der Wunsch nach einem Hund, den sie schon immer hatte, bahnte ihr letztendlich den Weg zurück ins Leben. Eine Liste, mit Dingen, die sie schon immer machen wollte und die sie in der Klinik auf Anraten erstellte, fiel ihr glücklicherweise in die Hände. Und da war auch der Wunsch nach einem Hund erwähnt. Tanja Salkoswski glaubt nicht an Zufälle. Und ob Zufall oder Bestimmung: eine Anzeige von einem Welpenwurf in der Nachbarschaft fiel ihr in der Tageszeitung auf. Der „nur mal Welpen-angucken-Besuch“ machte sie zur kurzerhand zur Hundebesitzerin. „Seit dem Augenblick, als der Hund in mein Leben trat, hat sich sehr viel verändert. Er hat mir extrem viel geholfen. Auf einmal musste ich rausgehen, musste mich trauen, die Wohnung zu verlassen, hatte soziale Kontakte beim Gassigehen. Ich hatte eine Verantwortung. Diese bedingungslose Liebe hat mich gerettet."

Tanja Salkowski ist nach wie vor von Depressionen betroffen und nach wie vor in Therapie.. Aber sie kann mit ihrer Erkrankung heute viel besser umgehen, hat akzeptiert, dass es zu ihrem Leben dazugehört, hat eine Sensibilität für ihren Körper und ihre Seele entwickelt.

„Ich habe Depressionen – na und?“ lautet der Untertitel ihres Buches. Und genau darum geht der Autorin. Ich bin trotzdem ein liebenswerter Mensch und werde damit leben. Kann trotzdem lachen und das Leben genießen. „Mein Ziel ist es, dass die Tabugrenze sinkt und man eines Tages über Depression und andere psychische Erkrankungen genauso selbstverständlich spricht wie über Sodbrennen.“

Im Anschluss an die Lesung nutzten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zu stellen.