Goslar/Niedersachsen – Suchtverhalten zählt weltweit zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen – auch in Japan. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Suchterkrankungen sind erheblich. Vor diesem Hintergrund traf sich kürzlich eine Delegation japanischer Expertinnen und Experten mit Fachleuten aus Niedersachsen, um sich über Prävention, Therapie und den gesellschaftlichen Umgang mit Sucht auszutauschen. Begleitet wurde der Besuch vom Niedersächsischen Sozialministerium.
Auf Initiative der Sucht- und Drogenbeauftragten des Landes Niedersachsen, Bärbel Lörcher-Strassburg, wurde unter anderem die Jugend- und Drogenberatung in Goslar in Kombination mit der angrenzenden Substitutionspraxis ausgewählt. Sie gilt als Beispiel für die enge Verzahnung von medizinischer Behandlung und psychosozialer Betreuung. Lörcher-Strassburg selbst konnte am Termin nicht teilnehmen und wurde durch Kirsten Gecius sowie Sebastian Maas, stellvertretender Referatsleiter und Referent unter anderem für Europa-Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit, vertreten.
Im Mittelpunkt des Austauschs stand ein vertiefter Einblick in die jeweiligen Ansätze und Strukturen: Welche Präventionskonzepte sind besonders wirksam? Wie sind Therapie- und Nachsorgeangebote organisiert? Und wie wird gesellschaftlich über Sucht gesprochen? Ziel war es, voneinander zu lernen, die fachliche Vernetzung zu stärken und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Die japanische Delegation, bestehend aus Suchtexperten und Begleitpersonen, absolvierte ein mehrtägiges Programm mit Stationen in verschiedenen Einrichtungen der Suchthilfe und Prävention in Niedersachsen. Neben Fachvorträgen standen vor allem praktische Einblicke in die Arbeit vor Ort im Mittelpunkt. Dabei wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Systeme herausgearbeitet und diskutiert.
Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch in Goslar. Dort besichtigte die Delegation die Jugend- und Drogenberatung sowie die angeschlossene Substitutionspraxis. Das Konzept vor Ort zeigt, wie Substitutionstherapie mit umfassender Beratung und psychosozialer Unterstützung verknüpft werden kann. Auf großes Interesse stieß zudem das Projekt „Sei kein Frosch“, das sich mit Freizeitangeboten und Unterstützung an Kinder von suchtkranken Eltern richtet.
Die Gäste zeigten sich insbesondere von der multiprofessionellen Zusammenarbeit und den vergleichsweise offenen Strukturen beeindruckt. Gleichzeitig bot der Besuch Anlass, über kulturelle Unterschiede im Umgang mit Suchterkrankungen zu sprechen.
„Gerade in Japan verstecken sich Süchtige aus Scham vor ihrer Erkrankung, während Angehörige Hilfe suchen. Deshalb war der Besuch in Goslar für uns besonders interessant“, berichtete Einrichtungsleiterin Anna Pielken-Rieger. „Unsere Einrichtung liegt zentral, ist aber dennoch nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig befinden wir uns aber mitten im gesellschaftlichen Leben, denn nur etwas 20 Meter hinter dem öffentlichen Parkplatz befindet sich die harte Drogenszene mit Substitution und dem Angebot vom Café Spiegel. Dabei handelt es sich um das sogenannte Up side down Prinzip von Stranger Things“, erläuterte die Leiterin der Drobs.
Nicht alltäglich sei es zudem gewesen, mit einer Dolmetscherin zu arbeiten, die selber immer mehr Interesse an der der Suchtthematik zeigte und in das Thema eintauchte.
Auch die Klientinnen und Klienten, die das Café-Spiegel besuchen, fühlten sich gesehen und wertgeschätzt, zeigte sich Anna Pielken-Rieger begeistert. Der Austausch sei für das Team eine große Anerkennung gewesen.
Der Besuch wird von beiden Seiten als wichtiger Schritt für die internationale Zusammenarbeit im Bereich Suchthilfe gewertet. Fachleute betonen, dass der offene Dialog über kulturelle und strukturelle Unterschiede dazu beitragen kann, Präventions- und Behandlungsangebote weiterzuentwickeln.
Die Begegnung in Niedersachsen steht exemplarisch für eine wachsende internationale Vernetzung in der Suchthilfe – mit dem gemeinsamen Ziel, wirksame und menschliche Lösungen im Umgang mit Abhängigkeit zu finden.









