Mit steigendem Alter nehmen kognitive und körperliche Fähigkeiten häufig ab, während Routinen und Eintönigkeit sich im Alltag breitmachen. Im Pflegealltag beispielsweise fehlen meist die Kapazitäten, die Zeit und die Mittel, aktivierende Angebote umzusetzen und diese an die individuellen körperlichen und geistigen Voraussetzungen der Menschen anzupassen. Damit Senior*innen trotzdem aktiv bleiben, neue Dinge erleben können und auch Pflegende entlastet werden, hat das Start-Up „VRalive“ sogenannte Virtual-Reality-Tools entwickelt, die im Pflegealltag genutzt werden sollen.
Das siebenköpfige Team von VRalive wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und entwickelt seit 2023 virtuelle Angebote für pflegebedürftige Senior*innen. Die stetige Weiterentwicklung ist ausschlaggebend für eine optimale Anpassung an die Zielgruppe, weswegen das Produkt in verschiedenen Einrichtungen getestet wird.
Auf einen Ausflug in andere Lebenswelten
Interessierte unserer Begegnungsstätte Lange Aktiv Leben (LAB) hatten bei einem Besuch von Frederik Wockenfuß und Matthias Hüttmann vom Unternehmen VRalive das Glück, die Technik zu testen und in die digitale Welt einzutauchen. „Wir haben besonders auf eine einfache und intuitive Nutzung geachtet, die ohne Vorkenntnisse umgesetzt werden kann. Das direkte Feedback ist für uns besonders wichtig“, beschrieb Frederik Wockenfuß. Die Entwickler setzen sich dafür ein, Virtual Reality im Angebot der Krankenkassen zu etablieren, sodass die Kosten bei entsprechendem Pflegegrad zukünftig übernommen werden. Bislang ist das Produkt allerdings ausschließlich auf eigene Kosten zu erwerben. Die Anwendung soll in der Praxis von einem Pflegedienst begleitet werden, kann aber auch allein genutzt werden. Zur Ausstattung gehören eine Brille und ein Tablet, über das die jeweilige Anwendung ausgewählt und gesteuert wird.
Ob sportliche Angebote wie Federball spielen, Gedächtnistraining, ein Tauchgang im Meer oder schwebend im All – die Tester*innen in der LAB im Alter von 77 bis 80 Jahren waren begeistert. „Es erinnert mich an früher und macht wirklich Spaß. Aber ein bisschen anstrengend ist es auch“, freute sich eine Teilnehmerin über diese innovative Brille. Eine weitere Teilnehmerin zeigte sich ebenfalls begeistert: „Diese Brille muss ich haben. Besonders auch für meinen Mann, der sich so gut wie gar nicht mehr bewegt und rauskommt.“ Eine weitere Nutzerin war dankbar über den mit dem Erlebnis verbundenen Austausch untereinander: „Wir haben wieder etwas erlebt und etwas zu erzählen, auch wenn es virtuell passiert ist.“
Digitale Möglichkeiten gewinnbringend nutzen
Gerade für ältere Menschen ist die neue Technik eine Möglichkeit, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung, aber auch Beweglichkeit und Koordination zu trainieren und zu fördern. Denn während der neuen Erfahrung führen sie Bewegungen aus, die sie teilweise schon lange nicht mehr gemacht haben. Sie schauen beispielsweise Richtung Decke nach oben, bewegen Kopf, Hals und Nacken in alle Richtungen, bücken sich, strecken die Arme, greifen nach virtuell dargestellten Dingen und vieles mehr. Auch stark eingeschränkte oder bettlägerige Menschen können mithilfe der Brillen aus ihren gewohnten Mustern ausbrechen und ihre Gesundheit fördern.
So kontrovers digitale Möglichkeiten im Allgemeinen diskutiert werden, so zeigt VRalive, wie vorteilhaft sie genutzt werden können – für Pflegebedürftige, für Fachkräfte und Pflegeanbieter. Denn nicht nur kognitive und physische Fähigkeiten sowie die Lebensqualität der Pflegebedürftigen nehmen zu, auch für die Fachkräfte werden Abläufe vereinfacht, das Portfolio erweitert und positive Erlebnisse geschaffen.
VRalive ist auf der Suche nach ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten, die offen für die neue Technik sind und die Zukunft der Pflege aktiv mitgestalten möchten. Weitere Infos unter: VRalive - Extended Reality for Digital Health







