Paritätischer Braunschweig - Ein Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege
19.06.19

Demo für eine bessere Bezahlung in der ambulanten Pflege – rund 400 Pflegekräfte gingen gestern in Hannover auf die Straße


Eindrucksvoller Nachweis: Rund 400 Pflegende und mehr als 60 Pflegedienste aus der Region zwischen Harz und Heide sind gestern für eine bessere Bezahlung in Hannover auf die Straße gegangen. Erstmals schlugen private und gemeinnützige ambulante Pflegedienste gemeinsam Alarm. Sie werfen den Pflegekassen gefährliche Sparpolitik vor und übergaben 30.000 unterschiebene Postkarten an die Politik.

Mit dieser großen Demonstration in der Landeshauptstadt haben ambulante Pflegedienste aus Niedersachsen am 18. Juni auf den gefährlichen Sparkurs der Kassen lautstark aufmerksam gemacht. Pflegende und Leitungskräfte zogen am gestrigen Mittwochmittag durch Hannovers Innenstadt, vorbei am Hauptsitz des Krankenkassenverbandes vdek, wo sie mit Liedern, einem Flashmob, Reden und mit zahlreichen Plakaten der prekären Lage und die Sorge um die pflegerische Versorgung in Niedersachsen ein Gesicht gaben.

„Die Pflegekassen weigern sich, ambulante Pflege angemessen zu bezahlen und gefährden damit die Versorgungssicherheit in vielen Regionen“, erklärte Mitorganisatorin Bettina Tews-Harms vom Gifhorner Pflegedienst Harms.

„Wohlfahrtsverbände und private Unternehmen leiden gleichermaßen unter der Weigerung der Kassen, die ambulante Versorgung von Pflegebedürftigen angemessen zu bezahlen. Den Schaden haben letztlich die betroffenen Familien, die schon heute nur noch schwer eine ambulante Versorgung finden“, berichtete Hans Golmann von ambet e.V. Diese Situation sei in vielen Gegenden Niedersachsens jeden Tag spürbar.

Die Politik versuche derzeit an vielen Stellen, die Pflege aufzuwerten, stellen die Organisatoren fest. Die Landesregierung ist jetzt gefordert, politisch die notwendigen Veränderungen bei den Kostenträgern mit Nachdruck einzufordern. „Wir schaffen gute Arbeitssituationen und wollen Vergütungen zahlen können, um den Pflegeberuf attraktiv zu halten und etwas gegen den Fachkraftmangel zu tun. Dafür gibt es öffentliches Lob“, so Golmann. „Hinter den Kulissen aber blockieren die Kranken- und Pflegekassen eine gerechte Finanzierung der ambulanten Pflege. Eigentlich wären 18 Prozent mehr Geld für die ambulante Pflege dringend notwendig, während die Kassen einen gefährlichen Sparkurs fahren.“

Die Initiative übergab deshalb rund 30.000 Postkarten an Claudia Schüssler und Annette Schütze von der Landtagsfraktion der SPD in Niedersachsen. Darauf unterstützen Pflegende, Pflegebedürftige und Familien die Initiative für eine gerechte Finanzierung der ambulanten Pflege in Niedersachsen. Die Abgeordneten sagten zu, dass das Anliegen der Pflegedienste sehr ernst genommen werde und auf Grund der hohen Anzahl an Karten im Rahmen einer möglichen Petition im Landtag beraten werden soll.

„Wir steuern auf eine bedenkliche Situation zu“, unterstreicht Bettina Tews-Harms. „Bei den aktuellen Rahmenbedingungen ist die ambulante Pflege vielerorts künftig nicht mehr aufrecht zu erhalten. Darunter leiden in erster Linie diejenigen, die dringend Pflege benötigen und keine Hilfe bekommen. Die Kassen müssen erklären, warum sie auf den Schultern der Pflegebedürftigen sparen wollen, während jedem in Niedersachsen klar ist, dass die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben ist.“

„Niedersachsen habe inzwischen die rote Laterne in der Bezahlung der ambulanten Pflege“, mahnte Harms. Uns läuft die Zeit und die Mitarbeiter davon. Rund 5000 Menschen können aufgrund des Fachkräftemangels in Niedersachsen schon nicht mehr versorgt werden“.

„Wir haben verstanden und werden ihr Anliegen mitnehmen. Es wird sich etwas tun“, antworte Landtagsabgeordnete Claudia Schüssler auf die Forderungen. „Uns ist das Problem bewusst. Mit ihrem Protest treffen Sie auf offene Ohren“, sagte Anette Schütze. Sie selbst habe noch am Freitag am "Tag der Senioren" in Braunschweig eine Postkarte unterschrieben.

Zum Ende hin folgte dem Protest ein konkretes Handeln. Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags Petra Emmerich-Kopatsch nahm gemeinsam mit den beiden Landtagsabgeordneten die Bollerwagen, gefüllt mit den 30.000 unterschriebenen Postkarten, in Empfang und zogen damit in den Landtag.

 

 


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